Edelstein des Regenbogens
Der Turmalin gilt als der farbenreichste Edelstein der Welt. Mineralogen und Gemmologen kennen mehr als 50 verschiedene Farbnuancen. Besonders aussergewöhnlich ist, dass manche Kristalle mehrere Farben gleichzeitig besitzen können.
Berühmte Beispiele sind die sogenannten „Wassermelonen-Turmaline“, deren Inneres rosa und deren äusserer Bereich grün gefärbt ist. Andere Exemplare zeigen sogar drei oder mehr Farbzonen in einem einzigen Kristall.
Hinter dem Farbenspiel steckt ihre besondere Entstehung:
Die meisten Turmaline entstehen in Pegmatiten, einer besonderen Form magmatischer Gesteine. Diese bilden sich in der letzten Phase der Abkühlung von Magma.
Während des Kristallwachstums werden verschiedene Elemente in das Kristallgitter eingebaut. Dazu gehören unter anderem Eisen, Mangan, Lithium, Magnesium und Kupfer. Die jeweilige Zusammensetzung bestimmt die Farbe des späteren Edelsteins. Da sich die chemischen Bedingungen während des Wachstums verändern können, entstehen häufig Farbwechsel innerhalb eines einzelnen Kristalls.
Turmaline können auch durch Metamorphose entstehen. Dabei werden bereits vorhandene Gesteine durch Druck und Temperatur umgewandelt. Unter geeigneten Bedingungen kristallisiert Turmalin neu aus und bildet sich in Gesteinen wie Schiefer oder Gneis.
Die Bildung von Turmalinkristallen erfolgt über sehr lange geologische Zeiträume. Während dieser Phase wachsen die Kristalle langsam und entwickeln ihre typische längliche, prismatische Form. Einige Kristalle erreichen dabei Grössen von mehreren Zentimetern bis hin zu über einem Meter Länge.
Quelle: Google
Auch die typischen Einschlüsse die aussehen wie "Risse", entstehen direkt aus den wechselnden Bedingungen während seines Wachstums. Dabei werden kleinste Bestandteile der Umgebung im Kristall „eingeschlossen“ und dauerhaft konserviert.
Diese Merkmale sind für Turmalin sehr charakteristisch und können in Form feiner Kanäle oder punktförmiger Strukturen auftreten. Sie beeinflussen die Identifikation des Steins, da sie bei natürlichen Kristallen regelmässig vorkommen.
In der Gemmologie dienen sie als Hinweis auf die Echtheit und helfen bei der Unterscheidung von künstlich hergestellten oder stark behandelten Steinen.
Farbgebende Elemente
Schwarze Turmaline
Schwarze Turmaline (meist Schörl) enthalten sehr hohe Mengen an Eisen. Durch die starke Konzentration werden nahezu alle Lichtanteile absorbiert, sodass der Kristall optisch undurchsichtig und schwarz wirkt. In dünnen Schichten kann er jedoch manchmal noch dunkelbraune oder grünliche Töne zeigen.
Blaue Turmaline
Blaue Turmaline entstehen hauptsächlich durch Eisen (Fe²⁺) im Kristallgitter. Dieses Eisen beeinflusst die Lichtabsorption so, dass vor allem die roten Lichtanteile herausgefiltert werden und übrig bleibt der Eindruck von Blau bis Blaugrün. Je nach Zusammensetzung kann die Farbe von hellblau bis tief indigoblau variieren.
Grüne Turmaline
Grüne Turmaline entstehen ebenfalls durch Eisen, allerdings in einer anderen Kombination und Oxidationsstufe (Fe²⁺ und Fe³⁺). Diese Mischung führt dazu, dass Licht im roten Bereich stärker absorbiert wird, wodurch Grün sichtbar wird. Die genaue Balance der Eisenzustände bestimmt, ob der Stein eher gelblich-grün, sattgrün oder dunkelgrün erscheint.
Gelbe Turmaline
Gelbe Farben sind relativ selten und entstehen meist durch Eisen (Fe²⁺/Fe³⁺) in einer bestimmten Kombination. Das Eisen beeinflusst die Lichtabsorption so, dass vor allem blaue Anteile herausgefiltert werden – das Ergebnis wirkt gelblich bis goldfarben.
Rosa Turmaline
Rosa Turmaline entstehen hauptsächlich durch Mangan (Mn²⁺) in geringer Konzentration. Je weniger Mangan, desto heller das Rosa – von zartem Pastellrosa bis kräftigem Pink.
Rote Turmaline
Intensiv rote Turmaline, auch Rubellit genannt, enthalten ebenfalls Mangan, jedoch in höherer Konzentration und oft in einer stabileren chemischen Umgebung. Dadurch verschiebt sich die Farbe von Rosa zu kräftigem Rot.
Violette Turmaline
Violette Töne entstehen durch eine Kombination aus Mangan und Eisen. Das Zusammenspiel dieser Elemente verändert die Lichtabsorption so, dass neben Rotanteilen auch Blauanteile stärker sichtbar werden – dadurch entsteht Violett bis Purpur.
Anhänger in Rotgold 750, oekogold mit rosa Turmalin
Der Besondere
Quelle: Google
Ende der 1980er-Jahre wurden im Bundesstaat Paraíba in Brasilien erstmals Turmaline gefunden, die sich deutlich von allen bisher bekannten Varianten unterschieden.
Ihre intensive, neonartige Blau- und Türkisfarbe war bis dahin bei Turmalinen unbekannt und sorgte schnell für grosses Aufsehen in der internationalen Edelsteinwelt. Der Paraíba-Turmalin erhält seine aussergewöhnliche Farbe fast ausschliesslich durch Kupfer und Mangan im Kristallgitter.
Die ursprünglichen brasilianischen Vorkommen waren sehr begrenzt und bereits nach kurzer Zeit weitgehend erschöpft. Dadurch stieg die Nachfrage stark an, während die Verfügbarkeit äusserst gering blieb. Paraíba-Turmaline wurden schnell zu einem der begehrtesten Farbedelsteine der Welt.
In den 2000er-Jahren wurden ähnliche kupferhaltige Turmaline in Mosambik und später auch in Nigeria entdeckt. Obwohl sie nicht aus der ursprünglichen brasilianischen Region stammen, zeigen sie vergleichbare chemische Eigenschaften und eine ähnliche Farbintensität. Diese Funde haben die Verfügbarkeit etwas erweitert, ohne jedoch die Seltenheit wesentlich zu mindern.
Anhänger in Weisgold 750, oekogold mit hellblauen Turmalin
Besonderheiten
Pleochroismus
Eine besondere optische Eigenschaft des Turmalins ist der sogenannte Pleochroismus. Das bedeutet, dass der Edelstein je nach Blickrichtung unterschiedliche Farben zeigen kann.
Turmaline besitzen eine kristalline Struktur, die Licht nicht in allen Richtungen gleich absorbiert. Wenn Licht durch den Stein fällt, wird es je nach Betrachtungswinkel unterschiedlich gefiltert. Dadurch kann derselbe Turmalin aus einer Richtung intensiver grün erscheinen, aus einer anderen eher bläulich oder dunkler.
Elektrische Aufladung
Eine weitere Besonderheit des Turmalins ist seine Fähigkeit, sich elektrisch aufzuladen.
Wird der Stein erwärmt oder unter Druck gesetzt, entsteht an seiner Oberfläche eine elektrische Spannung. Dieses Verhalten wird als Pyroelektrizität, bei Temperaturveränderung, und Piezoelektrizität, bei Druck, bezeichnet.
Im Alltag kann sich dies dadurch zeigen, dass der Turmalin kleine Staubpartikel oder leichte Teilchen anzieht, ähnlich wie ein elektrostatisch aufgeladenes Material.
Ohrstecker in Weissgold 750, oekogold mit grünen Turmalinen in Kombination mit Einhänger mit Kaschalog
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